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Mrz 18, 2018
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Training mit dem Futterbeutel

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Oftmals bekommen hilfesuchende Hundehalter den Tipp, mit einem so genannten Futterbeutel oder Futterdummy zu trainieren, wenn der Hund mal wieder Probleme mit Artgleichen hat, wenn er hetzt, jagt oder nicht abrufbar ist.

Zur Vorgehensweise:

Ein Futterbeutel mit Reißverschluss (sieht aus wie ein Federmäppchen aus Schulzeiten) wird mit Futter bzw. Leckerchen befüllt und der Hund darf zunächst daraus fressen. Dann wird die Beute bzw. der Futterbeutel geschlossen und weggeworfen. Ziel ist es, so die Aussagen der Tierpsychologen, dass der Hund diesen Beutel zurückbringt, dieser vom Hundehalter geöffnet wird und der Hund sich daraufhin daraus bestätigen darf.

Es ist schon erstaunlich, für wie dumm man Hunde hält. Da man lediglich die letzte vom Hund gezeigte Aktion belohnt, nützt dieses Training herzlich wenig bei wirklichem Fehl- und Problemverhalten. Das hat nichts mit Verhaltensumlenkung zu tun, denn das bestehende Problem z.B. Artgleichenaggression, Hetzen oder sonstiges Verhalten wurde nie entkoppelt von auslösenden Reizen. Ein Hund kann nicht über mehrere Variable verknüpfen. Alleine die Vorstellung, dass man versucht, mit diesem Hilfsmittel Hunde vom Hetzen, Jagen, Stöbern etc. abzuhalten, ist mehr als abenteuerlich, denn gerade durch das Wegwerfen des Futterbeutels (aus Sicht des Hundes handelt es sich um Beute), hat das Tier nur gelernt: Hetzen, Beute schlagen und dafür auch noch belohnt werden!

Ungewollt fördert man also speziell den Hetz- und Beutetrieb des Hundes. Damit nicht genug: Der Hund bestätigt sich statt über den Menschen wieder einmal eigenständig. Genau diese Unabhängigkeit ist aber doch Teil der Ursache des Problems: „Der Hund entscheidet selbständig und muss aus Fehlern lernen“.

Weitere mögliche Probleme durch die Arbeit mit dem Futterbeutel:

Was tun, wenn ein Hund beim Anblick eines Aggressors nicht an Futter interessiert ist? Was tun, wenn der Hund die erlegte Beute nicht abgeben will, sondern aggressiv verteidigt? Was tun, wenn der Beutel leer ist und mir weitere Artgleiche begegnen? Was tun, wenn durch das Werfen andere Artgleiche erst den Kampf um die Beute beginnen? Was tun, wenn der Hund nicht zwischen geworfenem Futterbeutel und Hase, Reh, oder Vogel unterscheidet?

Diese unsinnige Ablenkungsstrategie sorgt zumindest für folgendes: Der Hund kann in diesen Situationen nicht lernen, Führung und Kontrolle dem Menschen zu überlassen. Wieder einmal handelt es sich um reine Symptomarbeit! Doch die vermeintlichen Experten haben hier vorgesorgt und empfehlen gleichzeitig mit dem Einsatz des Futterbeutels eine sog. „Schleppleine“ oder auch „lange Leine“ zu verwenden. Man werfe also den Futterbeutel, lasse den Hund hinterher hetzen und nachdem er die Beute im Fang hat, ziehe man ihn mittels der Leine zu sich.

Grandiose Idee: Wir lassen den Hund bewusst Fehler machen und korrigieren diese gleichzeitig wieder. Stellen Sie sich das bitte einmal aus Sicht des Menschen so vor: Ich werfe einen 500 Euro-Schein weg, Sie laufen hin und heben ihn auf, worauf ich Sie unter Zwang zu mir hole und mein Geld zurückhaben möchte. Würden Sie sich dabei nicht ganz schön verkohlt vorkommen und würden Sie dies ein zweites Mal wieder tun? Und was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

 autor_weinrich

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